Über 150 Jahre Zuchterfolge – fortgeführt mit Betel xx
In Kehdingen, einem Landstrich an der Unterelbe, werden seit 1847 Hannoveraner Hengste des Landgestüts Celle eingesetzt. In diese Zeit reicht auch der hocherfolgreiche Stutenstamm der Javenda zurück, über den Siegfried Putscher in einem ausführlichen, vierteiligen Bericht im „Hannoveraner“ sagt, er zähle zu den wertvollsten Mutterlinien Hannovers. Aus dem Stamm der Javenda geht unter anderem die bei Olympischen Spielen ausgezeichnete Warkant-Tochter Wansuela suerte hervor, die 2004 Mannschaftsgold erhielt. Züchter und Besitzer der 1919 geborenen Javenda war Heinrich Schütt, der die Mutterstute Ilmenau von Ibis einst als Brautgeschenk erhielt, als er Erna Schröder, die Tochter des Züchters heiratete. Über den Zweig der Javenda-Tochter Scharfsinnige von Schumann ist der Stamm der Javenda seit über 150 Jahren bei Angehörigen der Familie Schütt zu Hause. In Großenwörden setzt heute Herma Sentker mit großem Engagement die züchterische Arbeit Ihres Großvaters Heinrich Schütt und seiner Ehefrau Erna, geborene Schröder, fort.
So erblicken auf dem historischen Hof der Familie Sentker immer wieder überaus erfolgreiche Zucht- und Sportpferde das Licht der Welt. Um diese hochkarätige Zucht ein weiteres Mal aufzuwerten, wird seit 2006 Betel xx als Veredler eingesetzt. Als nun im Frühjahr 2007 zwei wunderschöne Betel xx-Hengstfohlen aus Agathe / Akzent II / Gotthard und Ronda /Ramiro’s Son II / Goldfinger gesund zur Welt kamen, entschied Herma Sentker neben den beiden Mutterstuten zusätzlich Cassida S von Contendro I / Laptop mit Betel xx zu bedecken, die alle drei tragend sind. Mit etwas Glück werden daher im Sommer 2008 zusammen fünf Betel xx-Nachkommen in Großenwörden zu besichtigen sein. Bei Interesse kurz anrufen unter: Tel: 04775 – 740.
Der Trakehner: Betel xx im Fokus
Neumünster - In der Rubrik „Hengste im Fokus“ schreibt Zuchtleiter Lars Gehrmann in „Der Trakehner“ im Januar 2007 über über Betel xx als neu anerkannten Vollblüter für die Trakehner Zucht:
„Anläßlich eines vom Zuchtausschuss genehmigten Sonderkörtermins am 28. November 2006 im Gestüt Webelsgrund bei Springe wurde der 1990 in Tschechien geborene Betel xx durch die Trakehner Körkommission anerkannt. Der schwarzbraune Hengst (ohne Abzeichen) errang in seiner aktiven Turnierkarriere über 30 Siege und Platzierungen in Springprüfungen der Klasse S – vorwiegend in der Slowakei. Er ist seit dem Jahre 2002 auch in der deutschen Warmblutzucht aktiv und besitzt die Anerkennung für die Zuchtverbände Holstein, Hannover und Mecklenburg. Betel xx ist ein interessanter Leistungsblüter im geschlossenen, mittleren Rahmen mit genügend Ausdruck und klarer Springbetonung. Er steht 17jährig auf vier trockenen und klaren Beinen und demonstriert auch im fortgeschrittenen Alter ein Ausmaß an gewünschter Leistungsbereitschaft. Bei nicht zu großer Übersetzung verfügt er in den Grundgangarten über eine bewegliche Mechanik und eine gute Hinterhandsaktivität. Betel xx steht im Besitz seiner ehemaligen Reiterin Katarina Michklikova in Schwarzenbek bei Hamburg.“ (…) „Betel xx hat die Maße 165/21,0 cm. Sein Vater Revlon Boy xx ist auch Vater des beim Trakehner verband anerkannten Stravinsky xx, der als Rennpferd und als Dressurpferd international erfolgreich war. Revlon Boy xx ist außerdem Vater mehrerer internationaler Military Pferde, wie z.B. Ozon xx (Peter Thomsen). Betel’s xx erstes Fohlen in der deutschen Warmblutzucht wurde auf Anhieb anlässlich der Elitestutenschau des Holsteiner Verbandes mit der Staatsprämie ausgezeichnet.“
Betel xx aufgenommen im Programm Hannoveraner Springpferdezucht
Verden (jk) Mit der Decksaison 2007 wird Betel xx auf der Hengstliste des Programms der Hannoveraner Springpferdezucht geführt. 1993 ins Leben gerufen, soll dieses Förderprogramm der Zucht von Hannoveraner Springpferden neue Impulse geben, weshalb ein Teil des Hannoveraner Zuchtpferdebestandes speziell auf die Zucht von überdurchschnittlichen Springpferden ausgerichtet wurde. Von Interesse sind dabei Hannoveraner Stuten, die über eine Springpferdeabstammung verfügen und zudem überdurchschnittliche Leistungen im Turniersport gezeigt haben, oder deren Springanlage bei der Zuchtstutenprüfung mit der Note 8,0 oder besser beurteilt wurde. Auswahlkriterien für Hengste sind entweder die Benotung der Springanlage in der Hengstleistungsprüfung, wobei ein Hengst mindestens die Note 8,5 und/oder einen Teilindex im Springen von mindestens 125 Punkten erreicht haben und zudem über ein entsprechendes Springpferdepedigree verfügen muss. Oder ein Hengst kann sich über entsprechende Leistungen im Turniersport qualifizieren, die entweder fünf Placierungen in Springprüfungen der Kl. S an erster bis dritter Stelle, oder bei fünf- und sechsjährigen Hengsten eine Qualifikation zum Bundeschampionat des Deutschen Springpferdes beinhalten. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, dass sich ein Hengst über Nachkommenerfolge qualifiziert. Hier werden entweder die FN-Zuchtwerte berücksichtigt sowie S-placierte Nachkommen, oder ein Zuchtwert aus der Zuchtstutenprüfung von mindestens 120 Indexpunkten bei mindestens 15 Nachkommen. Die Aufnahme junger Hengste in das Programm Hannoveraner Springpferdezucht ist zeitlich befristet. Nach der Aufnahme wird über eine erste Fortschreibung für drei weitere Jahre entschieden, wenn die Leistungen (Ergebnisse aus Zuchtstutenprüfung und Turniersport) des ersten Fünfjährigenjahrganges vorliegen. Eine nochmalige Überprüfung der Vererbungsleistung erfolgt auf Grund der Leistungen des ersten Achtjährigenjahrganges. Fällt auch diese positiv aus, so verbleibt der Hengst endgültig auf der Hengstliste.
Vom "Cover-Girl" zur Staatsprämienstute 2006
Schönhorst (jk) - „Ich züchte nun schon seit über 16 Jahren, doch meine erste Staatsprämienstute ist aus einem Freisprung entstanden.“ So beginnt Volker Reimer, Holsteiner Züchter aus Schönhorst, Körbezirk Bordesholm, seine Geschichte um den bisher größten Erfolg in seiner Züchterlaufbahn. „Bei unserer Körbezirksversammlung zum Auftakt der kommenden Decksaison wird traditionell der Freisprung eines Junghengstes oder Vollblüters verlost. Nun war ich der Gewinner und habe den Vollblüter vorgezogen: Betel, der gerade neu in Großbuchwald stationiert war. Jahrelang hatte ich nur eine einzige Stute, 2002 immerhin schon drei; doch trotzdem wollte ich nicht so recht. Erst als ich mir Betel selber angesehen hatte, war ich der Meinung, dass es mit meiner Corrado II / Ahorn Z / Cicero-Stute klappen könnte. Beim Natursprung ist sie auch gleich tragend geworden, und am 10. Februar 2003 ist dann unsere Twingolina zur Welt gekommen.“
Bis hier hin eine Geschichte, wie sie der eine oder andere Züchter ähnlich erlebt haben mag. Doch wie es das Schicksal mit Volker Reimer, Betel xx und seiner Tochter Twingolina so wollte, war diese nicht nur Betels allererstes in Deutschland geborenes Fohlen sondern zudem das „Cover-Girl“ der Mai-Ausgabe der Holsteiner Züchter-Zeitschrift „Pferd+Sport“ und gleichzeitig das Titelbild für den Fohlenkatalog 2003, wie bereits berichtet (siehe Archiv). „Als Twingolina später angeritten wurde, haben wir schnell gemerkt, dass zu ihrer auffallend hübschen Erscheinung noch sehr viel Bewegung und eine außergewöhnliche Rittigkeit gekommen sind. Beim diesjährigen Stutentest hat sie dementsprechend die Note 9.0 im Freispringen und insgesamt die Note 8,5 erhalten.“ Und spätestens beim Eintragen der Stuten sei dann klar gewesen, dass Twingolina den Rang einer Staatsprämienstute erreicht hatte. Doch damit nicht genug: „Im Test hatte sich noch gezeigt, dass Twingolina die einzige Stute aus unserem Körbezirk war, die eine 9.0 im Galopp erreicht hatte. Zuchtleiter Dr. Nissen betonte dieses Ergebnis bei seiner Erwähnung Twingolinas, weil sie bereits als Dreijährige besonders ausbalanciert galoppiert sei. Insgesamt ist Twingolina aus dem Leistungstest als Reservesiegerstute des Körbezirks hervorgegangen – bemerkenswert für eine Halbblutstute in der Warmblutkonkurrenz.“
Die offizielle Auszeichnung zur Staatsprämienstute erhielt Twingolina bei der Elitestutenschau 2006 des Holsteiner Verbandes in Elmshorn. Anschließend hat Reimer sie zum Hengst gebracht, und inzwischen ist sie von Lavall II tragend. „Dem ersten Fohlen aus Twingolina sehen wir alle schon erwartungsvoll entgegen“, so Reimer weiter. „Auch wegen des zweiten sehr guten Fohlens, das wir mit Betel aus unserer Corrado II-Stute gezogen haben. Denn gleich nach der Geburt von Twingolina bin ich mit der Mutter wieder zu Betel gegangen, und seit 2004 haben wir aus ihr ein mindestens genauso schönes Hengstfohlen.“ Inzwischen zweieinhalbjährig sei daraus ein Wallach mit über 1,70 m Stockmaß erwachsen, der bereits ein ähnlich gewaltiges Springpotential wie seine Vollschwester erkennen lasse, schwärmt Reimer. „Unsere Corrado II-Stute haben wir in diesem Jahr dann erneut mit Betel bedecken lassen und blicken nun hoffnungsvoll auf 2007. Ich hatte ja früher schon Hauptstammbuch- und Prädikatsstuten ziehen können, aber erst durch Betels Freisprung bin ich zu meiner bisher einzigen Staatsprämienstute gekommen. Ein Erfolg, den ich sehr gerne fortsetzen würde, weshalb ich auch weiterhin mit der Stute als eine Art ‚Stammkunde’ zu Betel gehen werde.“
Holsteiner „Musterstute“ von Betel xx
Melsdorf (jk) - „Eine Musterstute für die spring-orientierte Holsteiner Zucht“, so beschreibt Dirk Möller, Holsteiner Züchter aus Melsdorf bei Kiel, seine im März 2003 geborene Stute Teyra von Betel xx aus Kia-Judica von Linaro / Landgraf I. Beim 14tägigen Stutenleistungstest im Februar 2006 in Lürschau erhielt Teyra erwartungsgemäß die Durchschnittsnote 8,4 - herausragend dabei für eine Halbblutstute die Einzelnoten 9 im Springen und 8 für ihre Rittigkeit. Am Ende der Prüfung wurde Teyra zudem mit der Bemerkung „solche Stuten brauchen wir in Holstein“ seitens der Körkommission lobend hervorgehoben.
„Noch nie zuvor habe ich einen Vollblüter mit einer so naturgegeben veranlagten Springmanier wie Betel gesehen“, so Möller über den Vater seiner Teyra. „Deshalb wurde er wohl auch mit einer 9 im Springen gekört. Mich selber hat er als Vollblüter bei seiner ersten Hengstvorführung 2002 in Neumünster beeindruckt. Er zeigte sich artig und dabei gleichzeitig elegant. Und seine Gänge haben es mir angetan! Betel schien mir super gelassen und hat trotzdem seine Gänge gezeigt.“ Heute könne Betel zusätzlich mit einer tollen Fohlen-Quote aufwarten - trotz der eher mittelmäßigen Stuten, die einem Vollblüter zugeführt würden, so Möller weiter. „Viele Holsteiner Züchter schrecken noch immer davor zurück, mit einem Vollblüter zu decken, weil dadurch die Springpferdevererbung in der ersten Generation häufig zurückgeht. Andererseits ist die zweite Generation oft umso besser. Doch heute zeigt sich, dass Betel die Ausnahme zu dieser Regel darstellt.“
Natürlich habe auch er Zweifel gehabt, zu einem Vollblüter zu gehen, gibt Dirk Möller zu. Nur sei ihm dabei immer wieder die Aufforderung des Holsteiner Verbandes durch den Kopf gegangen, auch einmal mit einer guten Stute zum Vollblüter zu gehen. Und dafür sei ihm Betel wie geschaffen erschienen: Es seien eben nicht nur Betels besondere Freude am Springen und seine tolle Manier gewesen, die ihn schließlich überzeugt hätten. Auch Betels Abstammung, seine nahe Verwandtschaft zu Hengsten wie Sacramento Song xx, der „nichts kaputt gemacht“ habe, hätten Möller glauben lassen, dass es mit Betel einfach klappen müsse. Schließlich sei bei Betel die Springsicherheit allein schon durch seinen Blutanschluss zu dem in Holstein hoch angesehenen Vollbluthengst Ladykiller gegeben.
Die Schwangerschaft der Mutterstute sei dann genauso problemlos verlaufen wie Teyras Geburt, berichtet Möller stolz. Gleich von der ersten Sekunde an, habe sich Teyras überlegter Charakter und ihr unglaubliches Selbstbewusstsein bei größter Umsicht gezeigt. Auch ihr Bewegungsdrang sei sofort gegeben gewesen. „Dieses junge Stutfohlen wollte Leistung zeigen, sich bewegen, aber mit Übersicht und nicht einfach nur drauflos!“, schwärmt Möller. Zum Fohlenbrennen im Juli 2003 in Großbuchwald habe er Teyra auch erst einen Tag vorher von der Weide geholt, sie tags darauf geputzt und so vorgeführt, wie sie war. Wie zur Bestätigung sei er dann bereits in der Warteschleife von anderen Züchtern auf sein besonders schönes Fohlen hin angesprochen, und Teyra anschließend hoch prämiert worden.
Während der Vorbereitung zum Stutenleistungstest sei Teyra wiederum ihrer Ausbilderin, die schon lange hauptberuflich in Holstein arbeite, als „Paradebeispiel eines lernwilligen Pferdes“ aufgefallen. Genauso habe Teyra sich im Laufe der 14tägigen Prüfungen sichtbar verbessern können - wobei sie unter den Prüfungsbedingungen vor Publikum wie ein Profi wirkte, findet Möllers Ehefrau Sigrun. Nur so sei es letztlich zu den hervorragenden Noten und der lobenden Erwähnung ihrer Stute gekommen. Verbunden mit Hoffnung seitens der Körkommission, dass diese Stute für die Holsteiner Zucht in Holstein erhalten bleibe.